Das Heimatmusesum in Schermbeck befindet sich an der Steintorstraße 17.
Foto: aureus GmbH - Julia Liekweg

Zeugen der Geschichte Schermbecks

Im Heimatmuseum der Gemeinde sind zahlreiche Artefakte aus den vergangenen Jahrhunderten ausgestellt

Direkt im Eingangsbereich des Museums beginnt die Reise durch die Geschichte: Alte Holzbalken beweisen, wo ein alter Viehstall stand, ein Kieselweg aus dem Jahr 1566 ist noch genau so erhalten, wie vor fast 500 Jahren. Vom Eingangsbereich aus geht es geradeaus in den Nebenraum. Das war der ursprüngliche Wohnraum des Bauern und seiner Ehefrau. Die Sitzgruppe, die der Heimatverein dort mittig platziert hat, steht auf rosettenförmigen Kieselplatten, auf denen die Namen des Ehepaares und das Hochzeitsjahr stehen. Hier nur symbolisch, denn der Boden im Wohnraum wurde von einem anderen alten Bauernhaus in das jetzige Museum gebaut. Der ursprüngliche Boden war nicht mehr erhalten.

Außerdem beherbergt der Wohnraum noch immer den ursprünglichen Kamin des Hauses. „Wir pflegen den Kamin und kochen zur Weihnachtszeit hier Glühwein“, erzählt Rolf Blankennagel, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins (HGV) Schermbeck.

Spuren bis in die Niederlande

Im ehemaligen Viehstall zeigen Vitrinen die Handwerksgeschichte Schermbecks. „Schermbeck war geprägt von Tonarbeiten, in der Zeit davor waren hier viele Spinn- und Leineweber ansässig“, erzählt der Vorsitzende weiter. Schon häufiger sei es vorgekommen, dass sich niederländische Anrufer meldeten, die auf Ahnensuche gegangen sind. „Plötzlich haben diese Menschen festgestellt, dass ihre Vorfahren hier aus Schermbeck stammen.“ Das habe einen ganz einfachen Grund: Als zur Zeit der Spinn- und Leineweber die Niederlande plötzlich Zollzahlungen erhoben, entschlossen sich ein Teil der in Schermbeck ansässige Handarbeiterzunft, in die Niederlande auszuwandern, um den Zoll nicht mehr zahlen zu müssen. „Bis heute gibt es in den Niederlanden noch Leinenfirmen, die ihren Ursprung in Schermbecker Auswandererfamilien hatten“, erzählt Rolf Blankennagel. Schermbecks Spuren haben eine große Reichweite.

Die Motte und noch mehr

Finn Jungenkrüger hat die geschichtlichen Hintergründe zusammengetragen.
Finn Jungenkrüger hat die geschichtlichen Hintergründe zusammengetragen. - Foto: aureus GmbH - Julia Liekweg

Im Obergeschoss, die alten Schlafräume, stehen aktuell einige große Info-Tafeln. Das 22-jährige Vorstandsmitglied des HGV, Finn Jungenkrüger, hat Fakten und Daten zu Burgform Motte zusammengetragen. Sowohl allgemeine Informationen, alles zu Motten am Niederrhein und natürlich die Schermbecker Motte sind hier beschrieben. Der junge Mann wohnt und studiert in Berlin Geschichtswissenschaften. „Finn hat sich dort direkt in die großen Bibliotheken begeben und mit Experten gesprochen. Daher haben wir diese detaillierten Informationen“, lobt Rolf Blankennagel.

Die Info-Tafeln stehen mittig im Raum, seitlich wurden weitere Vitrinen aufgebaut. Dort sind Miniaturnachbildungen der Motte ausgestellt. Vor Kopf im Raum hat der HGV die Hölzer ausgestellt, die die Bauarbeiter im Boden des jetzigen Neubaugebietes gefunden haben. „Diese lagen viele Jahre im feuchten Boden. Als sie ausgegraben wurden, musste das Holz sofort in eine spezielle Lauge gelegt werden. Dort wurde es über drei Jahre haltbar gemacht und danach erst konnten wir die Hölzer ausstellen“, erklärt der HGV Vorsitzende.

Auf der anderen Seite des Raumes ist der alte Bahnhof Schermbeck in einer Miniaturnachbildung aufgebaut. Dahinter erinnern viele unterschiedliche Artefakten an das Gemeinde- und Arbeitsleben der vergangenen Jahrhunderte. Da das Museum in den Wintermonaten nur jeden ersten Sonntag im Monat von 10 bis 13 Uhr geöffnet ist, möchte sich der Vorsitzende Zeit nehmen, die Sammelstücke zu ordnen. „Wir haben so viele interessante Dinge hier. Wir müssen das aber einmal sortieren, sodass unsere schönen Stücke auch gesehen werden.

Ausstellung bis zum Jahresende

Bis mindestens Dezember läuft die Ausstellung zur Schermbecker Motte. Das Heimatmuseum steht im Herzen Schermbecks, an der Steintorstraße 17. Online gibt es außerdem zahlreiche Informationen zu vergangenen Projekten und Informationen zu den Ausstellungen. Um die Geschichte Schermbecks in vollem Umfang darstellen zu können, zeigt das Museum auch kleine Filme. Demnächst soll das Filmrepertoire sogar noch ergänzt werden. Aber auch hierzu wird es zeitnah Informationen direkt aus dem Verein geben.

Diesen Artikel teilen:

Zurück