Foto: Privat - Ballettschule
Foto: Privat - Ballettschule

Ballett - Tanzen zum Selbstbewusstsein

Die Ballettabteilung der Musikschule der Stadt Gladbeck wartet und hofft sehnsüchtig auf ein baldiges Wiedersehen.

Gladbeck - Drei Monate mussten die Ballettschüler auf den Unterricht verzichten, auf die Gemeinschaft, ihre Tänze und natürlich auch auf ihre Lehrerin Valentina Spadoni. Kurz vor den Sommerferien hat es die Ballettlehrerin zusammen mit den Organisatoren der Musikschule der Stadt Gladbeck geschafft, dass sich die kleinen und großen Tänzer und Tänzerinnen wenigstens noch einmal sehen können. In den vergangenen Wochen mussten die Ballettschüler komplett auf ihre Tänze verzichten. Valentina Spadoni, ehemalige Prima Ballerina und und nun Ballettlehrerin mit Leib und Seele, weiß um die Schwierigkeiten des Verzichts: „Ich habe allen ein Videoangebot für zuhause erstellt. Aber es ist nicht das Gleiche.“ Es gebe auch zahlreiche Videoanleitungen bei Youtube, weiß die Lehrerin und dank ihrer Hilfe konnten die Nachwuchsprofis einige Übungen zuhause machen, allerdings sei das nur eine nette Idee zur Beschäftigung gewesen. „Gerade bei den jüngeren Schülerinnen und Schülern, die schon mit vier Jahren mit Ballett anfangen, brauchen wir den persönlichen Kontakt. Ich kann ja so überhaupt keine Körperhaltung oder Fußstellung korrigieren“, erzählt uns die Schweizerin.

Am Anfang haben sich die Kinder noch gefreut, dass Valentina Spadoni ihnen ein paar Videos aufgenommen hat. „Eltern haben ihre Kinder vor dem Fernseher mit meinen Videos fotografiert und mir geschickt. Das hat mich gefreut, aber auch eine Menge Wehmut geweckt.“ Denn neben dem reinen Tanzen sind es vor allem die Gemeinschaft und das Zusammensein, die den Kindern fehlen. „Nach und nach erreichen mich immer mehr Nachrichten, dass meine Schülerinnen und Schüler ungeduldig werden. Sie wollen zurück“, sagt die Tänzerin. Auch ihr fehle der volle Ballettsaal und die stolzen Nachwuchstänzer und -tänzerinnen, denen sie beim Selbstbewusstwerden, beim Erwachsenwerden und beim Wachsen an sich selbst zuschaut.

19 liebevolle Jahre

Valentina Spadoni, Ballettlehrerin an der Musikschule der Stadt Gladbeck. Foto: Privat - Ballettschule
Valentina Spadoni, Ballettlehrerin an der Musikschule der Stadt Gladbeck. Foto: Privat - Ballettschule

2001 hat Valentina Spadoni als Ballettlehrerin an der Musikschule der Stadt Gladbeck angefangen. Damals war die Ballettabteilung noch recht klein, nur rund 60 Schülerinnen und Schüler wurden dort unterrichtet. Mittlerweile sind es gut 300 Schüler, um die sich Valentina Spadoni kümmert. „Ich bin schon stolz auf meine Errungenschaften hier. Die Kinder kommen gerne zu mir, manche sehen mich als eine Freundin und erzählen mir vom ersten festen Freund“, schwärmt sie mit warmem Blick. „Ich habe in meiner Tanzkarriere alles erreicht, was ich mir erträumt habe. Jetzt gebe ich meine Liebe und Leidenschaft an die Jüngeren weiter.“ Und die Kinder wertschätzen dies mit ihrer großen Freude und ihrer eigenen Leidenschaft zum Ballett. „Ich sehe ihnen beim Erwachsenwerden zu. Wenn sich die Körper verändern und die Mädchen anfangen, sich dafür zu schämen, vermittle ich ihnen Selbstbewusstsein und Selbstliebe.“ Viele der Kinder sehen sich im Ballettunterricht zum ersten Mal in einem Spiegel und nehmen sich auch zum ersten Mal wahr. „Ballett hilft ihnen dabei, sich zu akzeptieren und zu lieben, wie sie sind“, sagt die Lehrerin.

„Das ist nicht nur für die Mädchen in der Pubertät ganz wichtig, sondern auch für die Jungs, die Ballett tanzen“, weiß sie. Von den gut 300 Schülerinnen und Schülern sind nur etwa 5 Jungs im Unterricht. „Es ist schade, aber Ballett ist noch immer sehr weiblich behaftet: ‚Jungs tanzen nicht‘. Dabei ist es eine so schöne Bewegungsart, der die Muskeln formt und Stärke erfordert. Da kann man nicht sagen, tanzen sei nur für Mädchen“, sind sich die Lehrerin und Musikschulleiter Rolf Hilgers einig. Vor allem geht es um Gemeinschaft – ganz unabhängig vom Geschlecht. Deswegen freuen sich Valentina Spadoni und die Kinder, dass sie sich vor den Sommerferien noch einmal sehen können. „Es ist zwar nur eine halbe Stunde und wirklichen Unterricht können wir nicht machen, aber alle sehnen sich nacheinander“, erzählt sie. Das Wiedersehen stellt die Organisatoren vor eine große Herausforderung. In Vierergruppen und zeitlich streng getaktet können die Schülerinnen und Schüler wenigstens 30 Minuten mit ihrer Lehrerin üben. Alles selbstverständlich unter Einhaltung der Hygiene- und Sicherheitsauflagen. „Wir setzen auf die Zeit nach den Sommerferien. Wir hoffen, dass dann alles wieder normal weiterlaufen kann“, blicken Valentina Spadoni und Rolf Hilgers hoffnungsvoll voraus. // jl

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