Schrottplatz wird endlich saniert

Was lange währt, wird endlich gut, denn die Sanierungsmaßnahmen am ehemaligen Schrottplatz haben begonnen – Fertigstellung im Mai 2012

Kirchhellen - Still und starr ruhte das Gelände am Alten Postweg. Wo einst der Handel mit Schrott und Abfällen florierte, kehrte in den vergangenen Jahren Ruhe ein. Gestrüpp und Reste von Unrat überzogen die Fläche, doch nun tut sich was. Das Grundstück soll in den kommenden Wochen saniert werden. Zunächst einmal musste das Gebiet komplett gerodet werden. „Ansonsten wäre der Kohlenstoffanteil im Boden zu hoch und das macht eine Entsorgung noch teurer“, sagt Diplom-Geologe Thomas Müller. Daher wurde auf dem Gelände am Alten Postweg erst einmal alles Grün entfernt. „Das Ganze musste vor dem 1. März geschehen, weil dann die Nistschutzzeit beginnt.“
 

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Thomas Müller, Diplom-Geologe der Stadt Bottrop, untersucht in den kommenden Wochen die alte Hausmülldeponie.

Nun kann endlich mit dem Austausch des Bodens begonnen werden. Im Mai wird dann voraussichtlich schweres Gerät anrücken, um den mit Müll durchsetzten Boden abzutragen und neuen frischen Boden einzufüllen. An einigen Stellen muss der Boden bis zu zwei Meter tief abgetragen werden. „Es gibt Stellen, an denen wurden haufenweise Kabel verbrannt, um dann an das Kupfer zu gelangen“, sagt Thomas Müller. Die Schadstoffe, die bei der Verbrennung freigesetzt wurden, sind tief ins Erdreich eingedrungen. „Trotzdem muss man sagen, dass die Belastung des gesamten Geländes relativ gering ist. Eine Belastung mit Blei, Kupfer und Zink konnte zwar nachgewiesen werden, dass diese aber das Grundwasser beeinträchtigen, bestätigte sich bisher nicht. „Wir haben derzeit keine signifikante Belastung, die wir dem Schrottplatz zuordnen könnten“, sagt Thomas Müller.

650.000 Euro kostet die „Instandsetzung“ des Geländes. Finanziert wird das aus Landesmitteln. Nach Fertigstellung wird das Liegenschaftsmangement der Stadt mit der Vermarktung des Grundstückes beginnen. „Das Grundstück wird verpachtet. Wenn es fertig gestellt ist, bietet sich hier eine große, ebenmäßige Sandfläche, allerdings kann diese nicht überbaut werden.“ Interessierte können sich bei Heinz Luerweg (02041) 70 3194 melden. Verkauft werden kann das Grundstück nicht. Instand gesetzt wird übrigens auch das angrenzende Wohngrundstück, das der Stadt Bottrop gehört und zum Verkauf steht.
 

Messungen an der Hausmülldeponie

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Der Boden auf dem Gelände am Alten Postweg muss komplett ausgetauscht werden.

Auch die alte Hausmülldeponie Kirchhellen ist in das Blickfeld der Stadt gerückt. „Diese muss ebenfalls dahingehend untersucht werden, ob hier gegebenenfalls Belastungen vorliegen und die Verfüllung damit ausgehoben werden muss.“ Schon vor einiger  Zeit hat Thomas Müller mit der Untersuchung begonnen. „Allerdings kamen wir damals nicht tief genugins Erdreich.“ Nun rückt schweres Gerät an, um hier die Proben zu entnehmen. Auch hier wurde noch vor dem 1. März eine Schneise geschlagen, damit die Bagger anrücken können. „Ich denke, dass wir dann im Sommer wissen sollten, ob der Boden hier belastet ist und ob er eventuell ausgetauscht werden muss.“ So genannte Hausmülldeponien waren damals Standard. Nach dem Aussanden oder Auskiesen wurden die Flächen mit Hausmüll verfüllt. Seit Mitte 2005 dürfen die modernen Deponien, die mit Hausmüll gefüllt werden, nur noch vorbehandelte Abfälle aufnehmen.

Hier dürfen organische Bestandteile nicht mehr vorhanden sein. Hausmülldeponien sind nicht nur durch Ablagerung von Hausmüll charakterisiert. Straßenkehricht, Sperrmüll und Gewerbeabfälle sowie weiter Reststoffe sind auch gegenwärtig normale Bestandteile von Hausmülldeponien. Heute muss bei etlichen Deponien geprüft werden, ob hier nicht Giftstoff austreten, die zu tief ins Erdreich eindringen und damit eventuell sogar das Grundwasser belasten könnten. gk

 

Rückblick

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Zunächst wurde das Gebiet komplett gerodet. Das musste vor dem 1. März geschehen, da dann die Nistzeit beginnt.

Seit 1971 wurde das Gelände am Alten Postweg als illegaler Schrottplatz genutzt. Neben Autoreifen, Haus- und Unrat wurden hier auch so manche giftigen Stoffe „entsorgt“.
Nachdem 1986 eine Belastung der Grundwassers nachgewiesen wurde, erhielt Betreiberin Gerda G. 1989 eine Ordnungsverfügung zur Einstellung des Betriebes. Während des langjährigen Widerspruchverfahrens handelte die Kirchhellenerin jedoch weiter mit alten Bindemitteln, Elektroschrott und sonstigem Müll.

1996 wurde das Gebiet erneut untersucht, allerdings sah der Gutachter keine „zwingende ordnungsrechtliche Maßnahme“ vorliegen. Erst 2003 nach Änderung der Zuständigkeitsordnung wurde auf Druck verschiedener Behördenteile die Betriebseinstellung erzwungen und eine Räumung veranlasst. 2007 fanden sich erneut giftige Hinterlassenschaften auf dem Gelände am Alten Postweg.

Seit dem verflogt LebensArt alle Entwicklungen. Im Frühjahr 2009 wurde das Gelände abermals geräumt und anschließend eingezäunt. Mit regelmäßigen Kontrollen will die Stadt einer wiederholten Vermüllung vorbeugen. gk

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