Foto: Julian Schäpertöns

Die Zukunft der Grundschulen in Schermbeck

Bei einer Infoveranstaltungen über eine Machbarkeitsstudie zu den Grundschulstandorten in Schermbeck ist eine mögliche Zusammenlegung angedacht worden.

Schermbeck - „Es geht heute nicht nur um die Schullandschaft in Schermbeck. Es geht um viel, viel mehr“, sagte Bürgermeister Mike Rexforth gleich zu Beginn der Infoveranstaltung in der Gaststätte Ramirez. Die in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie für verschiedene Grundschulstandorte in der Gemeinde Schermbeck stand im Mittelpunkt der Diskussion. Die Frage, ob es in Zukunft im Ort nur noch eine große Grundschule geben soll oder beide Schulen erhalten bleiben, erhitzte die Gemüter.

Warum die Gemeinde ein Planungsbüro damit beauftragt hatte, ein Konzept für die Zukunft der beiden Schermbecker Grundschulen zu entwickeln, erklärte der Bürgermeister zu Beginn des Abends. „Die Altersstruktur in Schermbeck wird sich bis 2040 stark verändern“, erläuterte Rexforth. Die Generation ab 65 Jahre wird stark zunehmen – aber immer weniger junge Menschen kommen nach. Mit den Auswirkungen des demografischen Wandels muss sich der Bürgermeister jetzt schon intensiv beschäftigen. Denn nicht nur das Problem des Wohnraums stellt die Gemeinde vor Herausforderungen, sondern auch die Frage, welche Maßnahmen man ergreifen muss, um eine attraktive Schullandschaft zu gestalten. Denn auch hier gibt es Zahlen, die die Gemeinde früher oder später zum Handeln zwingen. Seit den 1990er Jahren ist die Schülerzahl an beiden Standorten um 40 Prozent zurückgegangen. „Heute sind es knapp 400 Grundschüler in Schermbeck. Damals waren es noch 600“, so Rexforth.

Fragen über Fragen

Die zentrale Frage: Wird es künftig nur eine Grundschule geben? Foto: Julian Schäpertöns

Wie soll man nun mit dem Rücklauf der Schülerzahlen umgehen? In einer 177-seitigen Machbarkeitsstudie des Architekten Markus Rathke aus Wuppertal, die nun der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, wurden seit Anfang des Jahres mehrere Konzepte erarbeitet. Sollen die Maximilian-Kolbe-Schule und die Gemeinschaftsgrundschule zu einer 5-zügigen Schule fusionieren? Sollen komplett neue Gebäude entstehen? Soll eventuell nur angebaut werden? Oder sollen an beiden Standorte die Schulen erhalten bleiben? Obwohl an den Schulen Anpassungen im Bereich Barrierefreiheit und Digitalisierung vorgenommen werden sollen, würden die Schulgebäude immer noch nicht dem Standard eines Neubaus entsprechen.

„Das kostet richtig Geld“

Markus Rathke betonte in seiner Präsentation: Egal, für was sich die Gemeinde entscheidet, es muss investiert werden. Denn beide Schulen sind sanierungsbedürftig, sind nicht barrierefrei und entsprechen nicht aktuellen Standards. „Das kostet richtig Geld“, so Rathke. Die Idee, beide Grundschulen zu einer Schule zusammenzuführen, wurde bereits in der Schulpflegschaft diskutiert. Der Konsens beider Schulen ist, sich für einen gemeinsamen Standort auszusprechen. Argumente dafür wurden bei der Infoveranstaltung auch präsentiert. Die Schulleitung sei immer vor Ort, die Organisation vereinfacht, die Ausstattung wäre moderner und es herrsche keine „Konkurrenz“ mehr zwischen den beiden Schulen. Außerdem könne man an Kosten und Personal sparen.

Verschiedene Möglichkeiten

Markus Rathke präsentierte verschiedene Möglichkeiten, wie die Schule der Zukunft aussehen könnte. Als Standorte kämen mehrere Varianten in Betracht. Entweder man nutze eine der Flächen der bestehenden Grundschulen und baut hier neu. Oder jeweils ein Acker auf der Weseler Straße oder der Freudenbergstraße könnte für einen Neubau genutzt werden. Dabei hat sich das Planungsbüro mit verschiedenen Fragen beschäftigt: Wie ist die Erreichbarkeit der jeweiligen Standorte? Welche Auswirkungen hat der Schulbau auf das Umfeld? Wie sieht es mit der Infrastruktur aus?

Eine Frage brannte den Schermbeckern im Ramirez an dem Abend natürlich unter den Fingernägeln: Was kostet das alles? Zwar hatte das Planungsbüro verschiedene Bilanzen aufgestellt, doch richtig konkrete Zahlen könne man zu einem so frühen Zeitpunkt noch nicht nennen. Sicher ist, dass mehrere Millionen investiert werden müssten, um den Erhalt beider Standorte in den nächsten Jahren zu sichern. Bei einem Neubau müsse man mit mindestens 15 Millionen, wenn nicht sogar 17 Millionen Euro rechnen. Sollte sich der Gemeinderat für den Neubau einer Grundschule entscheiden, gäbe es die Möglichkeit, weitere Förderungen der Gemeinde vom Land zu bekommen, wenn die „neue“ Grundschule dann ein kommunales Bildungszentrum werden würde. Der Bau eines solchen Bildungszentrums könnte sich zu einem landesweit wahrgenommenen Leuchtturmprojekt mit Strahlkraft weit über die Grenzen der Gemeinde hinaus entwickeln, hieß es aus den Gemeindereihen. Das Konzept der Machbarkeitsstudie sieht außerdem vor, die Schulräume auch für weitere Felder der Jugendarbeit, für die Volkshochschule oder für Vereinsangebote für Senioren zu nutzen. Dies bezeichnet das Konzept als „synergetische Mehrfachnutzung“.

Bürger entscheiden selbst

Foto: Julian Schäpertöns

Bei der Komplexität des Themas und der verschiedenen Möglichkeiten, gab es genug Stoff für Diskussionen. Manch einer stand der Machbarkeitsstudie und der Zusammenführung beider Schulen skeptisch gegenüber. Zwischenrufe und lautes Gemurmel blieben nicht aus. Die Schermbecker wurden nach der Präsentation dazu eingeladen,
mitzudiskutieren und Argumente auszutauschen. Da die Planungen erst ganz am Anfang stehen, wolle man sich einen Überblick verschaffen. Die Bürger hatten die Chance, die Entscheidungsfindung aktiv mit zu gestalten, indem die Ergebnisse der Bürgerdiskussionen in eben diese Entscheidungsfindung der Machbarkeitsstudie einfließen sollen. In den vier Ecken des Raumes wurde dann also jeweils eine Station aufgebaut, an der Kommentare und Bewertungen abgegeben werden konnten. Das Ziel des Abends war es, dass am Ende des Prozesses eine fundierte und von den Bürgern akzeptierte Entscheidung ermöglicht werden soll.

Erst frühestens Ende des Jahres wird eine Entscheidung fallen. Bis es soweit ist, ist es noch ein langer Weg, denn viel muss bedacht und alle Optionen intensiv geprüft werden. Zudem gehe man von einer Gesamtdauer von der Ratsentscheidung bis zur eventuellen Eröffnung einer neuen Schule von mindestens drei Jahren aus. „Es ist eine Entscheidung für die nächsten Jahrzehnte“, so Bürgermeister Mike Rexforth. Deswegen überlege die Gemeinde ausführlich und lang, wo es in Zukunft hingehen soll. js

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