Foto: aureus GmbH - Julia Liekweg
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Kilian in Schermbeck fand statt – nur anders

Wenn das Schützenfest im Wohnzimmer statt auf dem Festplatz stattfinden muss – So verlief das etwas andere Kilianwochenende.

Schermbeck - Auf einer Pressekonferenz Anfang Juli hatte Ralf Daunheimer bereits erzählt: „Wir haben lange hin und her überlegt, wie wir mit dieser Situation umgehen. Das hat ja nun auch noch niemand von uns erlebt.“ Doch ziemlich schnell stand für beide Gilden fest, dass Traditionen und der Schützenfestgeist aufrecht erhalten werden müssen. Unter anderem haben sich die Präsidenten überlegt, dass an so viel Schützenfesttraditionen wie nur möglich festgehalten werden soll, also sind die Antrommler wie gewohnt an den Samstagen vor dem eigentlichen Schützenfest durch Schermbeck und Altschermbeck gelaufen. Die jeweiligen Goldkönigspaare wurden dabei auch besucht. „Dafür haben wir schon viel positive Rückmeldung erhalten. Der Festausfall in diesem Jahr trifft ja nicht nur uns, auch die Gemeinde hatte sich darauf gefreut“, wissen die Schützen.

Kilian virtuell

Um den gebotenen Abstand einzuhalten und Kontakte und Menschenansammlungen weitestgehend zu meiden, berichtete Ralf Daunheimer auf der Pressekonferenz von vielen Ideen, wie Kilian stattfinden kann – nur eben anders und zwar online. Unter den Hashtags #kilianfindetstatt #nuranders (https://www.facebook.com/KilianSchuetzengildeSchermbeck) konnten Interessierte sich verschiedene Videos anschauen, die die besten Momente vergangener Feste zeigten. Außerdem wurde die traditionelle Kranzniederlegung aufgezeichnet und am Kiliansamstag (11. Juli 2020) veröffentlicht. „Darauf möchten wir auf keinen Fall verzichten“, betonte Ralf Daunheimer.

Einen Hauch von Normalität gab es dann am Kiliansamstag aber doch. Das Fest fiel zwar aus, doch die jährliche Schützeneintragung fand wie gewohnt statt. „Es war ganz gut besucht, der ein oder andere ist danach noch auf ein Bierchen und eine Bratwurst geblieben, aber alles in allem sind die Leute schnell wieder gegangen. Es waren nie mehr als 100 Leute gleichzeitig vor Ort“, berichtet Gregor Zens. Schon im Vorfeld hatten beide Schützengilden mehrmals betont, dass all die kleinen Versammlungen rund ums Schützenfest unter unbedingter Einhaltung aller erforderlicher Maßnahmen und mit einer geringen Personenzahl abzuhalten seien, denn man wollte weder eine hohe Zahl an Neuinfektionen in Schermbeck provozieren noch riskieren, dass die Vereine die hohen Geldstrafen bei Verstößen gegen die Corona-Verordnungen zahlen müssen. Aber Gregor Zens konnte freudig berichten: „Es hat nach dem Kiliansamstag keine Neuinfektionen gegeben. Dann haben wir wohl alles richtig gemacht.“ Ralf Daunheimer hatte schon im Vorfeld offen erzählt, dass die Schützeneintragung in diesem Jahr wichtiger als in den vergangenen Jahren ist. „Natürlich freuen wir uns immer über Mitglieder und dass Kilian nach wie vor so viele Menschen begeistert. Wir müssen aber auch offen zugeben, dass die Schützeneintragung, die immer auch mit gewissen Beiträgen verbunden ist, in diesem Jahr unsere einzige finanzielle Einnahme ist und von daher in diesem Jahr so wichtig war“, erklärte er. Schon mit offizieller Bekanntgabe des Festausfalls hatte die LebensArt Redaktion das Gespräch mit den Gildenpräsidenten gesucht, denn neben dem reinen Ausfall des Festes sahen sich die Altschermbecker und die Schermbecker Gilde vor große, finanzielle Probleme gestellt. Als das Festverbot durch die Corona-Pandemie endgültig wurde, waren natürlich schon einige Dinge bezahlt. Die Alterschermbecker Gilde berichtete: „Es sind nur bereits Dinge bezahlt, die nun nicht genutzt werden, es kann auch kein Geld zurück in die Vereinskasse fließen.“ Jedoch berichtete Gregor Zens weiter, dass die Gilde auf einen solchen Fall vorbereitet gewesen sei, auch wenn man gehofft habe, dass er nie eintritt. „Ein Jahr konnten wir jetzt finanziell auffangen, ein zweites würde dann aber schon schwierig werden“, hieß es von den Altschermbecker Schützen.

Schützenfest im Wohnzimmer

Damit die Schützen trotz all der besonderen Umstände in diesem Jahr so viel Schützenfest-Feeling wie nur eben möglich beibehalten können, hatten sich die Gilden im Vorfeld schon einige tolle Dinge überlegt: Ralf Daunheimer verriet schon vor dem Festwochenende, dass es, so wie in jedem Jahr auch, bei der Eintragung wieder den Schützenbutton gibt. Auch das Kilianfähnchen zum Sammeln durfte auf keinen Fall fehlen. Außerdem gab es eine „Mauritiustüte“, ein Care-Paket, in dem alles drin war, was die Schützen brauchten, um sich ein bisschen Kilian zuhause zu schaffen. „Für die Inhaber der Mauritiuskarte war die Tüte natürlich kostenlos“, sagt der Schermbecker Präsident.

Eine weitere, kleinere Überraschung gab es dann auch noch für den Kiliansamstag: In Zusammenarbeit mit den Schermbecker Gastronomien hatte die Schermbecker Gilde bei der Schützeneintragung Biermarken ausgegeben. Jeder eingetragene Schütze bekam drei Biermarken, die er in der Gaststätte am Rathaus, dem Restaurant Schermbecker Mitte und in der Gaststätte Overkämping-Schult (je eine Marke pro Gastronomie) einlösen konnte. Ralf Daunheimer erklärte, wieso man sich für die Biermarken entschieden hatte: „Kilian gehört zu Schermbeck und steht auch für den Zusammenhalt in der Gemeinde. Die Schermbecker Gastronomen haben eine turbulente Situation hinter sich und diese Probleme sind noch nicht vorbei. Mit den Biermarken möchten wir die Schermbecker Gastronomen unterstützen.“ // jl

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