Der Preis ist heiß...aber der Service ist lau

Die Drogeriemarktkette dm vertreibt jetzt Medikamente der niederländischen Europa Apotheke

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In der Kirchhellener Glückauf Apotheke wird Service und Beratung groß geschrieben.

Kirchhellen - Wenn es nach dem Wunsch der Drogeriemarktkette dm geht, dannversorgen sich die Kunden hier zukünftig nicht nur mit den üblichenKörperpflegeprodukten und Reinigungsaccessoires, sondern auch mit Medikamenten.Nach dem „erfolgreichen Test“ zum Bestell- und Abholservice für Medikamente inKooperation mit der Europa Apotheek Venlo, weitet dm das Angebot inNordrhein-Westfalen nun auf rund 80 Märkte aus. 


Bestellschein ausfüllen, samt Bestelltasche indie Bestellbox einwerfen und nach spätestens 72 Stunden ist das Medikament mitPersonalausweis im dm-Markt abholbereit. So lobt die Kette ihren „Service“!Doch unter Service versteht wohl so manch einer etwas anderes, alsmöglicherweise drei Tage lang auf sein Medikament zu warten. „Wenn wir einMedikament nicht auf Lager haben, sind es unsere Kunden gewohnt es spätestensnach 6 bis 8 Stunden zu erhalten“, erklärt Apothekerin Birgit Lauer von derKirchhellener Glückauf-Apotheke. So bietet die Venloer Europa Apotheek zwareinen Lieferservice zur Wunschadresse an, doch auch in diesem Bereich haben dieörtlichen Apotheken schon vor Jahren aufgerüstet. „Muss ein Medikament bestelltwerden, gehört es selbstverständlich zum Service, dass es dem Kunden nach Hausegeliefert wird“, bestätigt Birgit Lauer, Vertreterin der Apothekenkammer inBottrop. Viele Apotheken führen zudem eine Internetseite, auf der Präparateauch ganz einfach online bestellt werden können. „Gerne nehmen wir außerdemBestellungen persönlich am Telefon entgegen“, meint die Apothekerin und sprichtdamit ein weiteres Manko der dm und Europa Apotheek Kooperation an. Denn wiesteht es eigentlich in Sachen Beratung? Wenn der Patient Fragen zu einemArzneimittel oder seiner Bestellung hat, so heißt es, kann er sich über einekostengünstige Servicetelefonnummer an die Europa Apotheek in Venlo wenden. Einpersönlicher Berater steht dem Kunden nicht mehr zur Verfügung und gerade darinliegt nicht zuletzt die Gefahr der neuen Form des Medikamenteneinkaufs: Werhaftet für eventuelle Fehler? Im Falle von Reklamationen ist kein direkterAnsprechpartner greifbar. Dafür räumt die niederländische Versandsapothekeallerdings ein, die Bestellungen zu kontrollieren und zu prüfen, ob dieMedikamente miteinander harmonisieren oder Wechselwirkungen vorliegen können. „Wirwerden an solcher Stelle direkt beratend tätig und können im Falle des Fallesalternative Arzneimittel oder mit Rücksprache des Arztes andere Dosierungen ausgeben.“


Ob die Kunden somit letztlich von dem umworbenenPreisvorteil profitieren bleibt abzuwarten. Bis zu 40 Prozent Kostenersparnissollen bei nicht rezeptpflichtigen Medikamenten winken, aber eben „bis zu“! Beirezeptpflichtigen Medikamenten garantiert die Versandapotheke einen Bonus vonmindestens 2,50 Euro bis maximal 15 Euro pro Präparat. „Dabei sind gerade dieEinheitspreise, die in Deutschland für die rezeptpflichtigen Medikamentefestgelegt sind, von großer Bedeutung, schließlich soll jeder, egal ob in derStadt oder auf dem Land, von dem gleichen Gesundheitsstandard profitieren“,merkt Birgit Lauer an.


Die Drogeriemarktkette dm bietet letztlich nur einelogistische Dienstleitung für seine Kunden an, doch ob diese ihre Medikamentenicht ebenso gut oder sogar besser beim Apotheker nebenan kaufen können, bleibtwohl Ansichtssache.

(August 2007)

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