Gladbeck
Fotos: ©Oeft-Geffarth

Hospiz-Verein Gladbeck zeigt Ausstellung „Trauertattoo – Unsere Haut als Gefühlslandschaft“

Ausstellung zeigt Menschen die ihre Trauer mit einem persönlichen Tattoo ausdrücken - Fotografin Stefanie Oeft-Geffarth und Trauerbegleiterin Katrin Hartig interviewten und fotografierten Trauernden für ihr Buchprojekt

Gladbeck -

Das Porträt des Partners in Grautönen; die bunte, ungelenke Zeichnung eines Drachens und der Handabdruck eines Kindes oder schlicht der Name eines geliebten Menschen mit einem Regenbogen auf dem Oberarm. Nur einige der vielen Fotos, die in der Ausstellung „Trauertattoo – Unsere Haut als Gefühlslandschaft“ an der Horster Straße 8 vom 10. bis 24. August zu sehen sind.

Eine besondere Präsentation in den Räumlichkeiten des Hospiz-Vereins Gladbeck im Rahmen der Jahresreihe „Die verschiedenen Gesichter der Trauer“, die im Sinne des Wortes unter die Haut geht. Denn die 22 gezeigten großformatigen Aufsteller zeigen nicht nur Fotos. Erzählt wird dazu auch die berührende Geschichte der dargestellten Menschen, die durch Tätowierungen ihrer Trauer aber auch schönen Erinnerungen Ausdruck verleihen.

Tattoo kann Liebeserklärung und Brücke zum Verstorbenen sein

„Ich wollte etwas, was ich immer bei mir trage“, so begründet Gela ihre Entscheidung für ein Tattoo nach dem plötzlichen Tod ihres Sohnes. „Es ist die optische, nach außen getragene Verbindung zu meiner Mama“, ergänzt die 23-jährige Jennifer. Ein Handabdruck, die letzten Worte aus dem Abschiedsbrief oder eine Kinderzeichnung. Das Tattoo kann Liebeserklärung und Brücke zum Verstorbenen sein, wie für den 51-jährigen Jürgen: „Unsere Trauer hat uns ja auch dahin geführt, dass sich unsere Meinung über Tattoos komplett geändert hat“, sagt der um seine Tochter trauernde Vater.

Er war einer der mehr als 100 Menschen, die deutschlandweit dem Aufruf der Fotografin Stefanie Oeft-Geffarth und der Trauerbegleiterin Katrin Hartig folgten. Sie interviewten und fotografierten diese Trauernden für ihr Buchprojekt „Trauertattoo – Unsere Haut als Gefühlslandschaft“. Zudem wurde das Thema erstmalig in einer Wanderausstellung aufbereitet. Experten wie Dr. Mark Benecke, deutscher Kriminalbiologe und Spezialist für forensische Entomologie, sowie Prof. Erich Kasten, Neuropsychologe, und Lisa Schönberg, Dipl.-Psychologin, ordnen die Erfahrungsberichte ein. Die Geschichten zu den Tattoos und ihrer Trauer erzählt die Fotoausstellung „Unter die Haut“, die der Hospiz-Verein nach Gladbeck geholt hat.

Gladbecker Tattoo-Künstlerin ist zu Beginn und zum Ende der Schau anwesend

Wie facettenreich der bildhafte Ausdruck der Trauer sein kann, weiß auch die Gladbecker Tattoo-Künstlerin Fabienne Werner. „Wenn Menschen zu mir ins Atelier ,NachFabiArt‘ kommen, sich im Gespräch öffnen und von ihrem Trauertattoo-Wunsch berichten, dann geschieht dies oft in einer besonderen Atmosphäre wachsenden Vertrauens“, berichtet sie. In diesem Prozess werde das Motiv besprochen und herausgearbeitet, das dann letztlich in bunten Farben oder Grautönen von ihr gestochen wird. Zu Beginn, am 12. August, und zum Ende der Trauertattoo-Ausstellung, am 21. August, wird die Künstlerin von 17 bis 19 Uhr im geschützten Bereich der Ausstellungsräumlichkeiten der „Oase“ des Hospiz-Vereins anwesend sein.

Besuchende, die selbst Interesse an einem Trauertattoo haben, können so das unverbindliche Gespräch mit Fabienne Werner suchen, um sie und Arbeiten aus ihrem Art-Book kennenzulernen. Sie sagt: „Ich versuche dem Anliegen gerecht zu werden und schöne Erinnerungen festzuhalten. Denn auch wenn das Tattoo an einen verstorbenen Angehörigen erinnert, sollte man dabei mit einem Lächeln auf seinen Körper schauen können.“

Öffnungszeiten der Ausstellung an der Horster Straße 8: Mo., Di. und Do. von 10 bis 12 Uhr sowie Di. und Do. von 15 bis 17 Uhr. Samstags von 11 bis 14 Uhr. Sonderzeiten mit Tattoo-Künstlerin Fabienne Werner am Mittwoch, 12. und Freitag, 21. August von 17 bis 19 Uhr.

Die Wanderausstellung „Trauertattoo – Unsere Haut als Gefühlslandschaft“ wird über die Agentur Convela angeboten. Katrin Hartig (Fernsehjournalistin, Trauerbegleiterin sowie 2. Vorsitzende Bundesverband Verwaister Eltern und trauernder Geschwister Deutschland e. V.) und Stefanie Oeft- Geffarth (Unternehmerin und Fotografin, conVela) sind Ansprechpartnerinnen für dieses deutschlandweite Projekt, welches sie ehrenamtlich und dank Spenden umsetzen. Kontakt: E-Mail katrin.hartig@convela.de

Quelle: Hospiz-Verein Gladbeck

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