„In den 80er Jahren war der Oberhof ein Treffpunkt für Jugendliche, um von dort zu ihren Unternehmungen aufzubrechen“, erinnert sich Bürgermeisterin Bettina Weist an die besseren Zeiten des Areals. Heute jedoch liegt die Fläche seit vielen Jahren brach – die statische Instabilität machte eine Nutzung unmöglich.
Modernisierung des Areals
„Das ist ein echter Durchbruch für diesen seit Jahren festgefahrenen Bereich unserer Innenstadt. Zum ersten Mal haben wir eine gemeinsame Grundlage mit unseren Projektpartnern, auf die wir uns auch in Zukunft personenunabhängig berufen können. Für viele Gladbecker ist der Oberhof ein wunder Punkt, weil dort so lange nichts passiert ist. Wir haben mit dem LOI (Letter of Intent) nun einen Fahrplan, um hier einen modernen Mobilitätsknoten und damit ein neues Stück Innenstadt zu schaffen“, freut sich Bettina Weist.
Für die DB InfraGO unterstrich Dorothee Wasel, Leiterin Bahnhofsmanagement Essen: „Kurze und barrierefreie Wege sind für eine moderne Station unerlässlich. Daher sind die Maßnahmen, die an der Station Gladbeck Ost geplant sind, enorm wichtig, um den Bahnhof für die Zukunft fit zu machen. Fahrgäste haben hier in Zukunft kurze Wege – vom Parkplatz bis zum Bahnsteig und zum Busbahnhof. Damit können wir noch mehr Menschen davon überzeugen, mit der klimafreundlichen Bahn zu fahren.“
Barrierefreier Aus- und Umbau
Auch VRR-Vorstandssprecher Oliver Wittke zeigt sich erfreut über die Vereinbarungen: „Mit der Unterzeichnung ist die Grundlage für die Planungen und Umsetzungen eines modernen Mobilitätsknoten in Gladbeck gelegt. Der vernetzte und barrierefreie Aus- und Umbau von ÖPNV-Infrastruktur ist bereits seit vielen Jahren ein wesentlicher Schwerpunkt innerhalb unserer Förderung. Für alle Fahrgäste im Nahverkehr ist eine funktionierende und intakte Infrastruktur von wesentlicher Bedeutung.“
Konkret geht es um die umfassende Neugestaltung des zentralen Mobilitätsknotenpunkts am Oberhof und am Bahnhof Gladbeck Ost. Die aktuellen Planungen sehen vor, den bestehenden Bahnsteig auf der Ostseite zurückzubauen. Stattdessen errichtet die DB einen neuen Bahnsteig in westlicher Lage. Dieser neue Außenbahnsteig wird weiter nach Süden verlegt und rückt damit deutlich näher an den Busbahnhof heran. Durch diese Neuordnung entsteht an der Grabenstraße/Zweckeler Straße ein moderner ÖPNV‑Verknüpfungspunkt mit einem sogenannten Kombibahnsteig, an dem Bus- und Bahnsteige direkt gegenüberliegen. Das erleichtert künftig den Umstieg zwischen den Verkehrsmitteln und stärkt die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs in Gladbeck.
Um den Zugang zum Busbahnhof künftig deutlich zu erleichtern, entsteht ein neuer, ebenerdiger Bahnübergang, der zugleich als Verbindung zwischen den angrenzenden Stadtteilen dienen wird. Der bisherige Oberhoftunnel wird damit entbehrlich.Parallel dazu errichtet die Stadt Gladbeck im Bereich der Zweckeler Straße einen komplett neuen Busbahnhof. Ergänzt wird das Gesamtvorhaben durch eine moderne Park‑&‑Ride‑Anlage sowie eine Mobilstation auf der Ostseite der Gleisanlagen. Damit entsteht ein leistungsfähiger, zeitgemäßer Mobilitätsknotenpunkt, der den öffentlichen Nahverkehr in Gladbeck nachhaltig stärken soll.
Moderne Park‑&‑Ride‑Anlage
Der Bahnhof Gladbeck Ost liegt heute abseits der zentralen Wege, ist nicht barrierefrei und schlecht an den Busverkehr angebunden. Auch der Oberhoftunnel, der die Hochstraße mit der Straße Am Sägewerk verbindet, wird von vielen gemieden. Der frühere zentrale Busbahnhof existiert nicht mehr; die provisorische Lösung an der Zweckeler Straße bietet keine echte Verknüpfung mit der Schiene. Ein neuer, technisch gesicherter Bahnübergang für Fuß- und Radverkehr soll den Tunnel ersetzen und die Stadtteile wieder direkt verbinden. Das dafür notwendige Baurecht liegt bereits vor – ein gemeinsames Planfeststellungsverfahren von Bahn und Stadt hat diesen wichtigen ersten Meilenstein geschaffen.
Der Neubau des Bahnsteigs wurde vom Land Nordrhein‑Westfalen als Projekt von besonderem Landesinteresse eingestuft. Voraussetzung für die Förderung ist jedoch der neue Bahnübergang, da der verkehrliche Nutzen nur im Zusammenspiel beider Maßnahmen entsteht. Die nun unterzeichnete Absichtserklärung hält diese Abhängigkeiten fest. „Die Vereinbarung sieht vor, die Planungen eng zu verzahnen und zeitnah eine gemeinsame Projektgruppe einzusetzen, um Bahnsteig, Bahnübergang und Anpassungen im Straßenraum technisch und zeitlich aufeinander abzustimmen“, erklärt Dr. Volker Kreuzer, Erster Beigeordneter und Stadtbaurat.
Einzelhandel, Gastronomie und Wohnungen
Zentrale Schnittstelle des Projekts ist der künftige Kombibahnsteig, dessen Lage und Höhe bereits im städtebaulichen Konzept festgelegt sind. Ein weiterer wichtiger Baustein betrifft die Zukunft der Fläche des ehemaligen Busbahnhofs oberhalb der Tiefgarage am Oberhof. Durch deren Rückbau entstehen in zentraler Lage neue Entwicklungsflächen. Gemeinsam mit der Herner E-Gruppe, soll hier in den kommenden Jahren Einzelhandel, Gastronomie und Wohnungen entwickelt werden.
Das Investitionsvolumen liegt im deutlich zweistelligen Millionenbereich. Der neue ÖPNV‑Verknüpfungspunkt bildet das funktionale Rückgrat und zugleich das „Eingangstor“ zur Innenstadt. „Die Absichtserklärung ist ein wichtiger Meilenstein und Grundlage für die nächsten Schritte. Auf dieser Basis werden nun die Verträge für den Neubau der Verkehrsstation Gladbeck Ost und den Bahnübergang ausgearbeitet. Damit haben wir einen Projektstand erreicht, den es so bisher nicht gab“, so die Bürgermeisterin.