Kirchhellen
Dieter und Bärbel Werner, Inhaber des Klosterstübchens, wollen sich gebührend von ihren Gästen verabschieden.Foto: aureus GmbH - Valerie Misz
Dieter und Bärbel Werner, Inhaber des Klosterstübchens, wollen sich gebührend von ihren Gästen verabschieden.Foto: aureus GmbH - Valerie Misz

Klosterstübchen will ein letztes Mal öffnen

Die letzte verbliebene Traditionskneipe in Kirchhellen wird bald Geschichte sein, aber nicht ohne einen großen Abschied

Kirchhellen -

Das Klosterstübchen hat einen ganz besonderen Stellenwert in Kirchhellen. Die Inhaber Bärbel und Dieter Werner sehnen sich nach einer Öffnung. Seit November 2020 musste die Kultkneipe geschlossen bleiben, seitdem kämpfen die Wirte um ihr wirtschaftliches Überleben.

Das Klosterstübchen war immer ein zuverlässiger Anlaufpunkt für die Kirchhellener, ob zur Fußball Bundesliga, nach Spielen des heimischen Fußballvereins, für Treffen der Kegelclubs oder das klassische Feierabendbier. Doch damit wird bald Schluss sein. Die beiden Inhaber haben entschieden, dass sie in ihre wohlverdiente Rente gehen wollen. „Aber nicht ohne einen großen Abschied“, sagt Dieter Werner. Der eigentliche Plan war Ende dieses Jahr zuzumachen. „Aber so wollen wir uns nicht von unseren Stammgästen verabschieden. Wir haben beschlossen noch ein Jahr dranzuhängen“, führt er weiter aus.

Tief verwurzelt

Kneipenbesitzer Dieter Werner ist in Kirchhellen aufgewachsen. Die Kneipenkultur war immer ein Teil seines Lebens. In seinen Kindheitsjahren führte seine Tante eine Gaststätte in Kirchhellen. Die Liebe zu seinem Heimatdorf ist sehr groß und tief verwurzelt. Seit gut zwölf Jahren führen er und seine Frau Bärbel das Klosterstübchen an der Hauptstraße. In der Kneipe herrscht normalerweise eine sehr intime und familiäre Atmosphäre. Als vergangenes Jahr kurzzeitig unter Corona Auflagen geöffnet werden konnte, waren die beiden Wirte mit einigen Herausforderungen konfrontiert. „Wir durften die Theke nicht besetzen, dabei ist die Theke das Herzstück einer Dorfkneipe“, klagt Dieter. Die Kneipenkultur lebt von Würfel- und Kartenspielen, die aber entweder nicht rausgegeben oder nach einmaliger Verwendung entsorgt werden sollten. „Wir haben in all den Jahren so viel Schönes und Positives erlebt. Auch in diesen schweren Zeiten war unser Publikum immer verständnisvoll“, erzählt die Gastwirtin. Mit den aktuellen Bestimmungen würde dies sehr vermisst werden.

Foto: aureus GmbH - Valerie Misz
Foto: aureus GmbH - Valerie Misz

„Wie hier Jung und Alt miteinander leben und feiern, das ist wirklich einmalig“, schwärmt der Kirchhellener. Besonders seine „Jungs“ vom VfB Kirchhellen hat er in sein Herz geschlossen. Diese Liebe spiegelt sich in sämtlichen Ecken des Klosterstübchens wider. Einige Vereinsutensilien zieren die Wände. Dieter und Bärbel haben eine große Stammkundschaft, die ihnen die nötige Kraft gibt durchzuhalten. Schon seit Jahren kursiert das Gerücht, sie würden dichtmachen. Bisher konnte er dies dementieren, aber jetzt trifft er auf bestürzte Gesichter.

Ein letztes Rodeo

Der Außenbereich des Klosterstübchens ist zu klein, als dass es sich lohnen würde zu öffnen. Sie müssen warten, bis klare Beschlüsse getroffen wurden, die ihnen eine reguläre Öffnung der Innengastronomie ermöglichen. Es ist vor allem eine wirtschaftliche Frage. Der Fortbestand ist noch bis einschließlich Juni durch Hilfsgelder gesichert. Mit einer Öffnung ist unabhängig davon vor Juli nicht zu rechnen. Beide wollen erst den vollen Impfschutz erhalten, um sich und ihre Gäste zu schützen. Die Wirte brauchen Planungssicherheit und gesundheitliche Sicherheit. Eine zweite Schließung würde aber eine Herausforderung werden, der sie sich nicht stellen wollen. „Wir mussten das letzte Mal literweise Getränke wegschütten. Am Ende haben wir die Getränke an Familie und Freunde verschenkt“, bedauert Bärbel Werner. Beide machen sich Sorgen um die Zukunft der Kneipe. Wenn kein Nachmieter gefunden wird, endet der Rest der Kneipenkultur in Kirchhellen-Mitte.

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Valerie Misz

Valerie Misz

v.misz@aureus.de

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