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Yoga: Entspannung oder Sport?
Eine Kolumne von Stina Schulzke
Kennt Ihr das, wenn Ihr einen kleinen Husten oder ein leichtes Zucken im linken Zeh habt und Euch denkt: „Zu klein für den Arzt aber zu nervig, um es zu ignorieren“? Und die Symptome googelt, nur um zu erfahren, dass Ihr vermutlich Krebs habt!? Und es wirklich egal ist, was für ein Symptom Ihr googelt, es immer wieder auf dieselbe Diagnose hinausläuft!? Genau so verhält sich Yoga zu allem, was man über Angststörung googelt.
Von der klassischen Google-Suche „Was hilft gegen Angststörung?“ bis zu „Angst, im Schlaf zu ersticken“ trifft man im Netz immer auf die Heilige Dreifaltigkeit: Meditieren, Yoga, autogenes Training. Und jetzt ist es endlich soweit! Nachdem ich zehn Jahre lang diese drei Ergebnisse der Google-Suche ignoriert habe, wie die Büroklammer in Microsoft Office, gebe ich dem Ganzen eine Chance.
Ich beschließe, dass Yoga von allen drei Sachen am wenigsten ätzend klingt, wobei ich eigentlich in den zehn Jahren meiner Angststörung eine natürliche Abneigung gegen alle drei Dinge entwickelt habe. Was vermutlich gar nicht wirklich an der Sache selbst liegt, sondern eher an den Menschen, die ich damit verbinde… Ein Beispiel: Autogenes Training ist einfach der Veganismus der Angststörungswelt! Es ist an sich nicht schlecht, nur nicht unbedingt etwas für jeden. Aber Menschen, die es betreiben, müssen es zwingend in jedem zweiten Satz erwähnen und versuchen Dich bei jeder Möglichkeit zu „bekehren“. Klingt vertraut, nicht wahr!?
Mit Mediation verhält es sich ähnlich, nur dass da noch eine geballte Ladung Spiritualität dazu kommt. Wer mich kennt, weiß, dass ich da eigentlich wirklich locker bin, aber bei „… und dann habe ich in meiner letzten Meditation meinen Schutzdrachen kennengelernt“ ziehe auch ich eine Grenze. Also. Yoga soll es werden! Nicht zuletzt auch, weil wir tatsächlich einen Yoga-Raum hier in Kirchhellen haben und ich es mal nicht online machen muss! Yeah. Zudem zählt es definitiv zu Sport und somit schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe!
Also habe ich ein Termin für eine Heimstunde vereinbart. Zum einen, weil ich mit der Angststörung in Fremden Räumen eh etwas unsicher bin, aber vor allem, weil ich die Sportlichkeit einer Zimmerpflanze besitze und Angst vor einer riesigen Blamage habe! Besser ich blamiere mich in meinen eigenen vier Wänden als vor einer ganzen Yoga-Klasse.
Die Terminvereinbarung ging schnell. Ich habe in kurzen drei Sätzen erklärt, dass ich ein hoffnungsloser Fall bin und dann kam auch schon meine erster Yoga-Stunde! Ich war gewohnt nervös, das übliche Angststörungsblabla, wie als würde dir jemand eine geladene Waffe an den Kopf halten oder wie ich es nenne: „alleine einkaufen gehen“. Also für meine Verhältnisse schon beinahe entspannt!
Ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde, aber meine Yogalehrerin war wahnsinnig nett. Etwa nach der dritten oder vierten Übung habe ich tatsächlich sogar etwas gemerkt… Entspannung! Es tat richtig gut! Es gibt nur drei Menschen auf dieser Welt, die mich wirklich entspannt gesehen haben: Meine Mutter als ich etwa acht Jahre alt war und am Strand lag, der Arzt im Krankenhaus, nachdem er mir das Narkosemittel gespritzt hat und meine Yogalehrerin nach der Katze, Kuh Position! Ich hätte kaum überraschter sein können! Nach dem letzten „Namaste“ im Lotussitz, war ich bereits vollständig zu einem Yoga-Girl mutiert… Es gab wirklich keinen einzigen Nachteil an Yoga, vor allem weil es überhaupt nicht körperlich anstrengend ist, warum nennen die das überhaupt Sport!?
Das dachte ich auf jeden Fall… exakt bis zum nächsten Tag, als der Muskelkater aus der Hölle mich daran erinnerte, dass Yoga doch Sport ist...