Sein Traum war einfach und groß zugleich: kleine, regionale Betriebe, die sich zusammenschließen und Produkte vom Schwein, Rind, Huhn und Pute aus guter Haltung vertreiben. Jedes Jahr ein oder zwei mehr. Neun Höfe waren es einmal, doch heute sind es noch fünf. „Man muss sich etwas überlegen“, betont der Landwirt und schmiedet Pläne für die Zukunft, damit seine Idee weiterleben kann.
Discounter drücken Preise
Denn Tierwohl kostet Geld. Mehr Stroh, mehr Platz und mehr Zeit sind nötig, damit seine Rinder Auslauf haben und an der frischen Luft auf der Weide stehen können. Alle wollen Tierwohl, vom kommerziellen Käufer bis zum Tierfreund mit der Bereitschaft, mehr Geld für qualitatives Fleisch von glücklichen Kühen auszugeben und dieses eben nicht im Supermarkt zu kaufen. Auf Worte Taten folgen zu lassen, daran scheitert es oft.
Der Großteil des Fleisches wird im Angebot gekauft. Billigfleisch ist antrainiert, meint der Bauer, ein Glücksgefühl an der Kühltheke. Die Discounter werben mit günstigsten Preisen, die Freude über den gesparten Euro hält dem Moralbewusstsein selten die Waage. Dabei würden schon kleine Gesten reichen: einmal im Jahr bewusst bestellen. Zehn verlässliche Stammkunden mehr – das wäre schon Hoffnung.
Keine Großindustrie im Sinn
Doch Hoffnung allein trägt keinen Betrieb. Partner sind abhängig von ihm und er von ihnen. In der Vergangenheit hat er viele Gleichgesinnte mit ins Boot geholt, die ihre Waren ebenfalls bei seinem monatlichen Fleischverkauf anbieten. Auch sie brauchen allerdings gute Umsätze, damit sich das Ganze rentiert. Sagel wolle keine Großindustrie, dagegen hat er sich schon vor Jahren entschieden, sagt er. Er will kein wahnsinniges Wachstum, er will nur, dass sein Betrieb läuft und das Netzwerk bleibt.
Dazu kommen Baustellen, Sperrungen und lange Anfahrten. Kunden aus Düsseldorf oder Köln bleiben weg. Zwei Stunden für eine Strecke aufgrund von Baustellen – das macht niemand dauerhaft. „Mir schwant böses, wenn das Bottroper Kreuz an der A31 gemacht wird, da nehmen doch noch weniger Kunden den Weg auf sich“, meint Sagel. Denn vor allem seine Bekanntheit über die Kirchhellener Grenze hinaus lockt mehr Kunden an, die den Unterschied machen könnten.
Die Idee gefällt
Dass er mit seiner Idee ankommt und auch gerne mal in den Sozialen Medien polarisiert, dafür sprechen die mehr als 40.000 Follower, die er allein auf Facebook hat. Er betreibt Aufklärungsarbeit, bietet Einblicke in seinen Hof und kommt dabei gut an. Doch das tatsächliche Kaufen bleibt beim Großteil aus.
Ein Smart-Store als Ergänzung, nicht als Ersatz, das könnte letztendlich ein echter Vorteil sein. Ein Ort, an dem vom Fleischverkauf Übergebliebenes sinnvoll verkauft wird, rund um die Uhr geöffnet, keine großen Ausgaben für Personal, niederschwellig und bargeldlos, praktisch im Umgang.
Hoffeste und Veranstaltungen wie Grillseminare, Kuhkuscheln und Kindergeburtstage werden angeboten, um Menschen wieder heranzuholen und das Konzept begreifbar zu machen. „Ohne weiteres Standbein geht es nicht und wir veranstalten das alles, um den Menschen Tierwohl näher zu bringen“, so der Landwirt.
Es ist das „Jahr der Entscheidung“. Die Rinder wird er nie aufgeben, betont er selbst, aber ob die Vision überlebt, entscheidet sich nicht auf dem Hof – sondern an der Kasse. Denn die größte Macht hat nicht die Politik, nicht der Handel, sondern der Kunde.