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Foto: Lucas George Wendt / Unsplash
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Lesetipps für jeden Geschmack

Wir stellen Ihnen regelmäßig die aktuellen Buchtipps der Humboldt Buchhandlung vor

Die Füße hochlegen, in fremde Welten eintauchen und einfach mal ausspannen? Mit einem guten Buch für viele ein guter Ausgleich zum oft stressigen Alltag. Viele haben ihre Lieblingsautoren, ihr Lieblingsgenre. Natürlich hilft auch die Internetrecherche auf der Suche nach einer passenden Lektüre weiter, aber ein Tipp von Menschen, die die Werke selbst gelesen haben, ist meist Gold wert.

ShuggieBain

Douglas Stuart, Hanser Verlag, 36 Euro, Rezension von Daniela Maifrini

Ein Arbeiterjunge aus Glasgow erhält von seinem Lehrer den Rat: „Literatur, das passt nicht für einen Jungen Deiner Herkunft.“ Der Name dieses Jungen lautet Douglas Stuart - und mit seinem Debütroman „Shuggie Bain“ gewann er 2020 den Booker-Prize. So kann man sich irren!

Auch ich hatte mich zu Beginn der Lektüre dieses Romans geirrt: noch nie war ich in Schottland, also beschränkten sich meine Vorstellungen auf die grünen Hügel der Highlands und auf das mittelalterliche Edinburgh – Das waren Impressionen aus Büchern, Kino und Fernsehen, die ich abgespeichert hatte. Doch passte nichts davon zu der eindringlichen Beschreibung Glasgows. Was ich nämlich nicht wusste: In Glasgow ist es ein kleines bisschen wie hier im Revier! Abgewrackte Industrie, schwieriger Strukturwandel, absolute High-Class Wohnviertel neben heruntergekommenen Armenhaus-Siedlungen. Eine der niedrigsten Lebenserwartungen für Männer in einem europäischen Land (wegen zu hohen Alkoholkonsums) neben sehr hohem kulturellem Standard komplettiert diese Stadt der Gegensätze. Hier in seiner Heimatstadt siedelt also Douglas Stuart seinen umwerfenden Roman an, der überwiegend in den 80er Jahren und damit in der harten Zeit der Regierung Thatcher spielt.

Shug und Agnes Bain leben mit drei Kindern in sehr beengten Verhältnissen mit in der Wohnung von Agnes' Eltern. Diesen widrigen Umständen stellt sich Agnes mit Macht entgegen: Sie ist die schönste Frau weit und breit, sehr gepflegt und verhältnismäßig geschmackvoll gekleidet. Mit ihrer natürlichen Anmut sticht sie aus der ihr angestammten gesellschaftlichen Schicht hervor. Was nützt ihr das? Nicht viel! Sie hatte sich nach einigen Jahren von ihrem ersten Mann, dem zwar langweiligen, aber solventen und gutherzigen Brendan getrennt, weil ihr die Beziehung mit dem Casanova-Taxifahrer Shug um ein Vielfaches verführerischer erschien. Die Quittung zahlt sie jetzt: Kein Geld, keine Perspektive, und die Liebe ist auch am Ende. Shug erweitert den Kreis seiner Erwählten bereits wieder auf Damen, die jünger und reizvoller als seine Frau sind. Agnes trinkt ihren Kummer weg. Die Kinder leiden darunter, Shug flieht von zuhause und als das nicht mehr reicht, verfrachtet er seine Familie kurzerhand an den Rand der Stadt in den völlig verkommenen Stadtteil Pithead. Agnes sinkt immer tiefer – und mit ihr die Kinder. Die Größeren entziehen sich nach Möglichkeit, einzig das Nesthäkchen Shuggie hängt mit herzzerreißender Liebe an seiner Mama, kann sie nicht aufgeben und will sie um jeden Preis retten – vor dem Alkohol, der Armut und dem Verfall...

Die Geschichte einer politischen Ära, in der die sowieso schon Benachteiligten in Großbritannien komplett abgehängt wurden. Die Geschichte einer Stadt, die plötzlich in dieser Form keiner mehr brauchte. Die tragische Familiengeschichte der Bains, die sicher stellvertretend für viele stehen kann.

Eskalation

Nora Benrath, Harper-Collins-Verlag, 11 Euro, Rezension von Kathrin Allkemper

Als Dina Martin an diesem Abend von ihrer Freundin aufbricht, kann sie es kaum erwarten, nach Hause zu Mann und Tochter zu kommen. Unterwegs in ihrem kleinen, mit Eigenwerbung von ihrem Nagelstudio beklebten Auto fährt sie durch die Nacht. Auch ihre Handynummer steht auf dem Auto, doch der Mann, dessen verzerrte Stimme plötzlich über die Freisprechanlage kommt, ist garantiert kein Kunde. "Nicht langsamer werden", befiehlt die bedrohliche Stimme. Voller Panik und von der Angst überwältigt, befolgt sie zunächst seine Fahrkommandos. Als sie sich einem einsamen Waldparkplatz nähert und von der Polizei zur allgemeinen Verkehrskontrolle herausgewunken wird, würde sie am liebsten vor Erleichterung weinen. Endlich Hilfe! Doch ihr Peiniger braucht nur einen Namen zu nennen, um Dina zum Schweigen zu bringen – Ein Psychothriller, den man einfach nicht mehr aus der Hand legen kann!

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